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Zutaten

Schön blöd, wenn man kurz vor der Hochzeit eine lange Liste mit Dingen bekommt, die man nicht essen soll. Eh nur für einige Monate, dafür aber sehr konsequent, damit die Ergebnisse beim nächsten Unverträglichkeitstest aussagekräftig sind. Und noch blöder, wenn eine gute Freundin seit Wochen an der Hochzeitstorte tüftelt und auf der DON’T EAT Liste auch Gluten und Milchprodukte stehen.

Gut für mich, denn aufwändige und reich verzierte Hochzeitstorten sind ja so gar nicht mein Metier, aber eine „maßgeschneiderte“ Torte für die Braut, das mache ich gerne!

Do Eat Liste statt Don’t Eat Liste

Die Liste mit den Nahrungsmittel, die nicht in Torte sollen ist wirklich lang und je öfter ich sie lese, umso mehr Ideen kommen mir – mit den DON’T EAT Zutaten… Ich mache also das, was ich auch in meinen Kochkursen für Menschen mit Allergien und Unverträglichkeiten rate, eine Liste mit den Zutaten die hinein dürfen!

Es ist wirklich erstaunlich und jedes Mal wieder ein erleichterndes Aha-Erlebnis, sobald nicht mehr die verbotenen, sondern die erlaubten Lebensmittel im Vordergrund stehen, wird der Gusto darauf geweckt.

Es fällt so plötzlich viel leichter diese Zutaten auf verschiedene Arten zu kombinieren und regt dazu an, die gewohnten Geschmackswege zu verlassen. Oft stellt man fest, dass das absolute Lieblingsgericht mit einer kleinen Abänderung immer noch schmeckt!

Diese DO EAT Listen sind oft auch ein guter Grund wieder mit offenen und neugierigen Augen durch den Supermarkt zu gehen und außerdem eine gute Entschuldigung neue Produkte auszuprobieren.

✅ Do Eat ✅

  • Reis & Wildreis
  • Walnüsse
  • Zitrone
  • Paradeiser
  • Eier
  • Avocado

Die Torte für die Braut

Die Torte der BrautZurück zur Torte. Mit der DO EAT Liste war ich schnell bei Buchweizen, Walnüssen, Eier, Reismilch, Kakaobutter, Zitrone und Vanille und das klingt doch schon fast wie eine fertig Torte, oder?

Ich hatte endlich wieder einen Grund um eine neue Kuvertüre von Zotter auszuprobieren, nämlich die weißen Reismilchkuvertüre-Glühbirnchen, die wirklich extrem easy sind in der Verwendung, aber das würde jetzt zu weit führen… Unter die wirklich schön weiße Kuvertüre habe ich flaumige Buchweizen-Walnussböden und eine zitronig-frische Vanillecreme verpackt. Das war ganz mein Typ Torte: das nussig-erdige von Buchweizen und Walnüssen, die edle Vanilleschote und die freche Zitronenschale. So macht Backen Spaß!

Geschmeckt hat’s auch, die Braut hat mir geschrieben, dass sie nie gedacht hätte, „dass eine Torte mit so vielen Einschränkungen so gut sein kann!“

Eh, weil’s eben einfach auf die Sicht der Dinge ankommt… 😉

Ich sitze im Sensoriklabor der BOKU Wien, die Atmosphäre ist konzentriert, weiß und steril. Vor mir stehen nummerierte Stamperln mit klaren Flüssigkeiten und ich soll erschmecken welches süß, sauer, bitter, salzig, umami und neutral ist.

Ein erster Schluck. Dursichtig, wässrig, nichts. In meinem Hirn beginnt´s zu arbeiten. Was schmecke ich? Wo ist meine Geschmackserinnerung?

Noch ein Minischluck, den ich versuche besser im Mund zu verteilen. In meinem Kopf arbeitet´s immer noch wie wild. Schmecken ohne der Hilfe von Fühlen und Sehen hat eine ganz neue Qualität.

Anhand von 11 verschiedenen Cocktailparadeiser Sorten, bzw Typen lerne ich meine geschmacklichen Grenzen kennen.

Vieles an dem Projekt* ist für mich neu und spannend. Aus 60 Bewerbern wurden mittels sensorischem Geschmackstest 15 ausgewählt. Unser Geschmack wurde gemessen und bewertet, war keine persönlich „Geschmackssache“ mehr. Und dann sitzen wir 15 um einen Tisch, verkosten Paradeiser und es entsteht ein fast babylonisches Durcheinander. Jeder schmeckt etwas anderes, die Meinungen und Empfindungen gehen auseinander um sich nach einiger Zeit bei sehr ähnlichen Beschreibungen wieder zu finden. Oft sind es die Worte die fehlen…

* Das Projekt nennt sich Arbeitsgruppe Bauernparadeiser und hat sich die bäuerlich Saatgutzüchtung und die gemeinsame, standortbezogene Sortenverbesserung zum Ziel gesetzt. Arche Noah, Fibl, die BOKU Wien, BIO AUSTSTRIA, die Gartenbausschule Langenlois, das Lehr- und Forschungszentrum Schönbrunn betreiben und unterstützen das Projekt.


Und da es am Balkon, im Garten und auf den Märkten gerade überall „Paradeiser“ schreit, jetzt noch das Rezept für eine schnelle und köstliche Paradeiser Tarte, die ich gerne für meine Mittagessen mache.

Paradeiser Tarte

 

Paradeiser Tarte

350 g – 400 g Paradeiser, am besten in unterschiedlichen Farben und Formen
140 g Ziegenfrischkäse
3 EL geriebener Parmesan
1 Bd  Thymian, die Blätter abgezupft

1 Blätterteig
2 TL Honig
Salz und frisch gemahlener Pfeffer
Ei, zum Bestreichen der Ränder

Die großen Paradeiser in 1 cm dicke Scheiben schneiden, die Cocktailparadeiser halbieren.

Ziegenfischkäse mit Parmesan und Thymian verrühren.

Den Blätterteig ausrollen und die Ränder ca 2 cm breit abschneiden. Mit Ei bestreichen und so auf den Teig legen, dass ein erhöhter Rand entsteht.

Den gewürzten Ziegenfrischkäse innerhalb der Ränder verteilen und dicht mit den Paradeisern belegen. Mit Salz und frisch gemahlenem Pfeffer würzen und mit den 2 TL Honig beträufeln.

Die Ränder mit Ei bestreichen.

Die Paradeiser Tarte im vorgeheizten Backrohr bei 200 ° C Umluft 20 – 25 Minuten backen bis der Rand schön gebräunt ist.

Vor dem Servieren etwas überkühlen lassen.